Spanien: Reise nach Chiclana de la Frontera

By 19. August 2018 Dies und Das, Länder, Spanien

Wir Schweizer gehen ja gerne auf Nummer sicher. Nicht alle, aber auf ein paar Schweizer/innen trifft diese Aussage sicher zu. Man fühlt sich einfach wohl, wenn man bereits einmal getestet hat, was man dann anschliessend umsetzen möchte. Da also unser momentan provisorischer Reiseplan vorsieht, dass wir mit dem Auto die Westküste der USA entdecken wollen, kamen die Ferien an der Atlantikküste in Südspanien perfekt als Hauptprobe in Frage.

Kein Auge zu

Die Vorfreude war gross, doch noch einmal Ferien vor der grossen Reise im nächsten Jahr. Durch eine glückliche Fügung sind wir auf das tolle Airbnb Haus in Chiclana de la Frontera gestossen (Hauptbild) und da ging es nun also hin. Ziel also ins Navi eingetragen: Gesamtfahrzeit rund 22 Stunden. Gut, das war ne Hausnummer. Schlau wir wir sind (dachten wir zumindest), war der Plan Freitagabend los zu fahren, in der Nacht die Schweiz hinter uns zu lassen, um dann am Vormittag bereits in Spanien zu sein.

Reiseroute nach Spanien

Reiseroute nach Spanien

Erstes Etappenziel, mit einer Übernachtung im Zelt, hatten wir für die Stadt València am Mittelmeer geplant. Guter Dinge fuhren wir also am Freitagabend los, ausgerüstet mit allen Kasperli-CD’s die wir hatten und einem netterweise ausgeliehenen DVD-Fernsehgerät. VW T5 sei Dank, hatte unser gesamtes Gepäck mühelos Platz gefunden und sogar unseren Fuxtec Bollerwagen hatten wir dabei.

Mit dem Fortschreiten der Nacht, warteten wir immer ungeduldiger darauf, dass die Kinderschar endlich wie geplant schlafen würde, vorsorglich hatten wir alle Mittagsschläfer bewusst wach gehalten, wovon aber nichts zu merken war. Niemand wollte so richtig in den Schlaf finden und das Gequengel und Genöle war dann fast schlimmer, als der Kasperli selbst. Ali und ich wechselten uns mit dem Fahren ab und so fuhren wir mit dem Aufgehen der Sonne bereits bei Barcelona vorbei. Nun schliefen dann alle Kinder doch noch ein. Die Laune war aber mittlerweile gesunken und das “ich-freu-mich-auf-die-Ferien”-Lächeln sah ziemlich verkrampft aus.

Nachdem wir an einer Raststätte eigentlich gerne Gipfeli zum Frühstück kaufen wollten und nur gezuckertes, schokoladengepudertes Blätterteig-irgendwas angetroffen hatten, entschieden wir weiter zu fahren und uns in València einen Übernachtungsplatz zu suchen. Auf der Fahrt nach València fuhren wir kilometerlang durch Olivenbaum-Plantagen und einer ansonsten kargen Landschaft vorbei. Nur die Oleanderbäume im Mittelstreifen der Autobahn leuchteten uns mit satten Farben entgegen. Nach einer längeren Fahrt durch scheinbar verlassene Ortschaften tauchte dann plötzlich diese wunderschöne weisse Altstadt oberhalb unserer Strasse auf. Von der Landschaft Südspaniens waren wir sehr positiv überrascht, auch wenn uns diese eintönigen Plantagen in dieser Grösse nachdenklich machten.

 

València – eine moderne grüne Stadt

In València angekommen, fanden wir nach etwas längerer Suche einen Campingplatz und einen sandigen Platz um unsere Zelte aufzustellen. Hier hatte ich dann mal einen kurzen Ausraster, es war heiss, viel zu heiss, ich war müde (gut, alle waren müde) und dann noch dieser Sand überall…. wer mich kennt weiss, dass ich einen leichten Putzfimmel habe…. und mit Sand, ja mit Sand ist das eine ganz schlechte Kombination. Die Vorstellung, dass nun alle Kinder mit sandigen Füssen in die Schlafsäcke kriechen und man einfach gefühlt nirgendwo etwas hinstellen konnte ohne, dass es im Sand lag oder stand……phu…. ATMEN, sagt da eine gute Freundin immer. Gut, nach dem atmen sollten sich heisse Gemüter ja abkühlen, also sind wir zum Strand spaziert um die Hitze abzuwaschen. Das Mittelmeer war herrlich warm und gerade noch erfrischend. Auch hier war dieser heisse Sommer 2018 zu spüren. Auf der Suche nach dem Zeltplatz, hatten wir einen Teil von València bereits gesehen und waren total begeistert was es da an architektonischen Bauten zu sehen gab und so war klar, dass wir die Stadt unbedingt noch anschauen wollten.

Chiclana de la Frontera – ein Traum

Am nächsten Tag folgte die letzte Etappe zu unserem Haus direkt am Strand. Ja ja, das heisst es in fast allen Beschreibungen “Hotel mit Strandlage” “Finca direkt am Strand”…. bis man dann vor Ort ist und man den Strand dann nur sieht, wenn man sich über den Balkon hängt und den Hals nach oben streckt und die Augen zusammenkneift. Dann sieht man circa 2cm vom Strand – weit weg….. Aber hier, hier war es wirklich so. Das Haus war das letzte in der Reihe vor dem Strand, und hatte einfach die perfekte Lage. Zusätzlich war da auch ein Pool im eigenen Garten. Wir hatten auch die letzten 7 Stunden Autofahrt problemlos überstanden und die Kinder hatten gute Laune, trotzdem war ich froh aus dem Auto raus zu können. Auf jeden Fall war für uns klar, dass wir die Rückreise um eine Übernachtung verlängern mussten, da tagsüber fahren deutlich besser ging für alle, als nachts. Doch erstmal war jetzt geniessen angesagt.

Die Rückreise – Madrid

Ja, sorry, mich kurz zu halten war noch nie meine Stärke, wer noch weiter lesen mag, darf gerne noch einen Einblick in unsere Rückreise haben. Spontan hatten wir ja entschieden diese um eine Nacht zu verlängern, da unsere Kinder nicht wie erwartet in der Nacht im Auto schlafen. So ist das Leben mit Kinder, es kommt immer anders als geplant. Wir sind also los gefahren, vorbei an den übergrossen Stieren, Storchennester auf Strommasten, und haben in Madrid einen Stopp gemacht. Auch da haben wir wieder über Airbnb gebucht, da wir als 7-köpfige Familie einfach keine andere Möglichkeit haben. Hotelzimmer sind zu klein, aufteilen wollen wir uns nicht und im Massenschlag einer Jugendherberge übernachten – nö, ist dann auch nicht so unseres. Mitten in Madrid haben wir also eine Wohnung gefunden – klein aber fein. Mit einem super netten Host – Rodrigo. Rodrigo hat uns dann sogar mit seinem Auto zu einem Parkhaus geführt in dem unser grosses, vor allem hohes Auto gerade so Platz gefunden hat. Das ist echt ein Problem, in grösseren Städten sind die Parkhäuser meist um die 2 Meter, was einfach zu knapp ist für den VW T5. Ansonsten war die Stadt laut, lebendig, teuer, chaotisch, schön und mit südländischem Flair. Spätabends um 22.00 Uhr isst man hier ohne Problem noch überall und die Gassen sind gefüllt mit Leuten die diskutieren, flanieren, Kaffee trinken oder Musik machen.

 

Bordeaux

Einen Tag später und weitere 5.5 Stunden Autofahrt, trafen wir in Bordeaux ein. Wir hatte keine Ahnung was uns in Bordeaux erwartet, die Stadt hatten wir einfach ausgesucht weil die Strecke von Bordeaux in die Schweiz mit 10.5 Stunden akzeptabel war. Und dann…. dann fuhren wir in die Stadt. Die ersten paar Minuten waren wir beinahe sprachlos. Die vielen alten wunderschönen Gebäude, ein übergrosser mit Menschen gefüllter Brunnen der zu Recht miroir d’eau (Wasserspiegel) heisst, ein Skate-Park, viele Restaurants und es war sauber und aufgeräumt. Das sticht einem auch direkt ins Auge. In Spanien war leider überall viel Abfall der wahllos rumlag, die Raststätten waren teilweise echt furchterregend, so dass man automatisch keinen Hunger mehr hatte. Kaum waren wir über die Grenze gefahren nach Frankreich, waren da wieder die gut ausgerüsteten und sauberen Raststätten, kaum mehr Abfall zu sehen und fast keine verwahrlosten Gebäude entlang der Autobahn.

Wir bezogen also in Bordeaux unser nächstes Airbnb Domizil. Auch da wurden wir sehr herzlich empfangen, Isabelle übergab uns einen Stadtplan und erklärte uns den besten Weg zur Strassenbahn und den Restaurants die sie uns empfiehlt. In dieser Wohnung hatten wir deutlich mehr Platz, als in Madrid und waren in einem ruhigen und total zentralen Quartier. Das direkt an unserer Ecke auch noch eine französische Traditionsbäckerei einen Laden hatte, machte das Ganze perfekt. Nach der ersten Nacht besichtigten wir also Bordeaux selbst und wir verliebten uns endgültig. Da waren diese kleinen feinen Gässchen mit einem Bistro nach dem anderen. Die Teller gefüllt mit frischen appetitlichen ausgewählten Kreationen, die vielen kulturellen Gebäude und Kirchen, ein kleiner Markt mit frischen Früchten und Gemüse und egal wo wir uns umschauten, wir wurden freundlich und zuvorkommend bedient und jeweils rasch in ein Gespräch verwickelt. Das Highlight war dann der Miroir d’eau, danach hiess es dann aber trockene Kleider anziehen. Bordeaux – wir kommen bestimmt wieder!

Christina

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