Mit Ali bis nach Bali

By 30. Mai 2018 Tipps und Tricks

Wer die Rubrik “Über uns” anschaut, weiss schnell wer Ali ist. Ali ist mein Mann und dass er natürlich auch bei der Reise mit dabei ist, erklärt sich ja von selbst. Aber mit Ali bis nach Bali gestaltet sich nicht ganz so einfach wie man sich das vorstellen würde, denn ohne einen Pass reist man nirgendwo hin…. 

Die Sache mit dem Pass

Ziemlich einfach: Ohne Pass, keine Reise. Für unsere Kinder und mich keine grosse Sache, wir vereinbaren einen Termin auf dem Passbüro, machen da tolle Fotos, bezahlen dankend, und wenige Tage später erhalten wir einen schönen roten Schweizer Reisepass. Für meinen Mann aber bedeutet ein Pass viel mehr. Er besass nämlich keinen. Dazu muss ich nun etwas ausholen.

Es war einmal….

…vor 35 Jahren, ein kleiner Junge, mit krausem schwarzen Haar und grossen braunen Augen, der irgendwie, irgendwo die Grenze der Schweiz übertreten hatte. Der kleine zweijährige Junge, liess seinen Geburtsort Jerusalem und somit Palästina hinter sich und wohnte fortan in der Schweiz. Genau in diese grossen braunen Augen verliebte ich mich 17 Jahre später unsterblich. Eines führte zum anderen und so wollten wir kurz vor der Geburt unseres ersten Kindes auf dem Standesamt die Vaterschaftsanerkennung ausfüllen, da wir nicht verheiratet waren. Da tauchten dann die ersten Probleme auf. Ali besass eine C-Bewilligung, die er alle fünf Jahre verlängern liess. Um eine C-Bewilligung erhalten zu können, benötigt man aber einen Pass aus seinem Heimatland. Den hatte Ali aber nicht. Ausser der C-Bewilligung war Ali nicht im Besitz anderer Papiere. Keine gültige Geburtsurkunde, keinen Heimatschein, keinen Pass aus einem anderen Land, keinen Flüchtlingsausweis. Die wirklich nette Dame auf dem Zivilstandsamt erklärte uns dann, dass eine C-Bewilligung ohne einen anderen Pass eigentlich nicht ausgestellt werde. Es stellte sich dann die Frage, wie Ali damals in die Schweiz einreisen konnte. Bis heute eine ungeklärte Frage. Nach grossem Bemühen diverser Ämter um irgendwelche Unterlagen über meinen Mann ausfindig zu machen, kamen alle zum gleichen Resultat: Da sind keine. Mittlerweile war unser Sohn Sean geboren, die Vaterschaftsanerkennung wurde dann nur mit der C-Bewilligung möglich gemacht.

Die liebe Bürokratie

Im Jahr 2012 wollten wir dann aber doch gerne mal ausserhalb der Schweiz in die Ferien, auch wenn die Schweiz wirklich sehr schön ist. In Folge dessen, beantragten wir einen Reisepass für eine staatenlose Person in Bern. Wenn man in Bern einen Pass, Reisepass oder ein sonstiges offizielles Dokument beantragt, sendet man das per Post und dann wartet man. Es gibt keine Möglichkeit da anzurufen oder eine Auskunft zu bekommen oder eine E-Mail zu senden. Also senden kann man eine E-Mail schon, aber man erhält eine automatisierte Antwort ohne Antwortfunktion oder Ansprechperson oder einer Telefonnummer. Ich vermute ja mittlerweile, dass dies bewusst so gehandhabt wird. Also haben wir gewartet… und tatsächlich! Nach einigen Wochen haben wir den Reisepass für eine staatenlose Person erhalten und somit konnten wir im Sommer 2012 nach Mallorca fliegen. Ich erhielt im Frühjahr (vor der Mallorca-Reise) einen wunderschönen, romantischen und unvergessenen Heiratsantrag den ich natürlich angenommen habe. Die Romantik verflog bei den Hochzeitsvorbereitungen relativ schnell, denn wieder stellte sich das Problem mit den nicht vorhandenen Papieren. Die Dame auf dem Zivilstandsamt kannte uns zum Glück noch von der ganzen Vaterschaftsanerkennung-Geschichte und so konnte auch bei der Trauung eine Lösung gefunden werden. Mein Mann entschied sich meinen Nachnamen anzunehmen, somit musste die C-Bewilligung sowie auch der Reisepass angepasst werden. Den Reisepass hatten wir im April 2012 erhalten, im Oktober 2012 hatten wir geheiratet und direkt anschliessend, hatten wir seinen Reisepass für eine staatenlose Person zur Namensanpassung nach Bern gesandt. Einige Wochen später erhielten wir per Post ein Antwortschreiben von Bern. Darin hiess es, dass es in unseren Möglichkeiten läge, einen Pass für meinen Mann zu besorgen aus seinem Heimatland. Wir fühlten uns ziemlich vor den Kopf gestossen. Ali kann kein arabisch, hat keinen Kontakt zu seiner ursprünglichen Familie und hat auch bereits bei der Einreise in die Schweiz keinerlei Papiere besessen. Ich schaffte es dann tatsächlich dank der Hilfe der bereits mehrfach erwähnten netten Dame vom Zivilstandsamt, eine Telefonnummer für Bern zu erhalten. Dort riefen wir dann an und erklärten die ganze Situation, aber wir erhielten kein Verständnis, wir sollen uns bei der jordanischen Botschaft erkundigen.

Irrfahrt

Bei der jordanischen Botschaft angefragt, hatte die Person gegenüber am Telefon ebenfalls kein Verständnis. Warum man denn als arabischer Mann überhaupt auf die Idee komme, den Namen seine Frau anzunehmen? Er solle diesen doch lieber wieder ändern, der ursprüngliche sei viel schöner. Abgesehen davon würden sie ihm auch keinen Pass ausstellen, da er ja auch noch nie einen gehabt hätte, welcher von Jordanien ausgestellt worden sei. Und ob er als Palästinenser denn eine Rückkehr nach Jerusalem vor habe. Auch hier konnten wir nur die Köpfe schütteln und kamen zum gleichen Resultat: keinen Schritt näher an irgendeinem Pass.

Alles hat ein Ende

Mit all diesen Daten und Fakten wandten wir uns erneut an Bern. Aber da blieb man auf seinem Standpunkt bestehen, es gab keinen Reisepass mehr für eine staatenlose Person (obwohl das ja 6 Monate vor unserer Hochzeit machbar war…. ). Also mussten wir eine andere Möglichkeit finden um für Ali endlich einen Pass zu erhalten. Da er ja bereits seit 35 Jahren in der Schweiz lebt, war somit eine Einbürgerung das nahe liegendste. Verheiratet waren wir ja. Wir besorgten uns also die Papiere und Formulare und standen wieder vor dem gleichen Problem. Ohne einen Pass, egal aus welchem Land, kann man keinen neuen beantragen…. Wieder folgten viele Telefonate, und schlussendlich dann eine Ausnahmeregelung, dass er ohne Pass einen Antrag zur Einbürgerung einsenden darf. Den Antrag reichten wir im Frühjahr 2016 ein. Und tatsächlich, im Februar 2018 erhielten wir dann das offizielle Schreiben, dass Ali nun das Schweizer Bürgerrecht erhalten hat. Endlich! Nach 35 Jahren ohne Papiere hatte er auch formell bestätigt, dass da wo er sich auch wirklich verwurzelt und zu Hause fühlt, nun offiziell seine Heimat hat. Nach all diesem Bürokratie-Wahnsinn war es ein tolles Gefühl, endlich den Schweizer Pass in den Händen halten zu können. Und somit war klar, dass wir die Reise tatsächlich antreten können. Bali soll als letzte Destination die Krönung unserer Weltreise sein.

Christina

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